Zitat

„Der Mensch ist grundsätzlich ein zielstrebiges Wesen, aber meistens strebt er zuviel und zielt zuwenig.
Überprüfen Sie deshalb regelmäßig ihre Ziele, mindestens einmal im Quartal und in allen Lebensbereichen.“

Das Interview – Ist Einzelberatung sinnvoll?

Auch einzelne PfadfinderInnen können beraten werden, das sagen Ulrike Lang (U) und Claudia Dangl (C) und sinnvoll ist das zumeist sowieso. Hier das Inter­view mit den beiden Beraterinnen.

Ihr seid Beraterinnen bei der DPSG. Be­ratet ihr nur Leiterrunden oder könnten auch einzelne Personen kommen?

U/C. Selbstverständlich und selbstredend können Einzelpersonen, GruppenleiterIn­nen oder Vorstände, ehrenamtlich oder auch hauptamtliche, Kuraten oder wer auch immer Einzelberatung in Anspruch nehmen. Hauptsache ist nur, dass sie im Rahmen der DPSG stattfindet.

Was sind denn so typische Fragen oder Probleme, die in der Einzelberatung eine Rolle spielen? Könnt ihr ein oder zwei Beispiele geben?

C. Häufig geht es um die Frage der Positi­onsbestimmung, z.B. wie bereite ich meinen Ausstieg zum Ende der Amtszeit vor, oder welche Ziele habe ich persönlich durch die Ausübung des Ehrenamtes oder wie verhal­te ich mich bei bestehenden Konflikten.

U. Das ist eben ganz typisch für Einzel­anfragen, dass ein Vorstandsmitglied seine Amtsgeschäfte gut ab- und weitergeben, seinen Ausstieg und Abschied gestalten und den Neuen einen guten Einstieg er­möglichen will. Typisch ist aber auch, dass jemand seine „Kisten“, seine Anteile, seine Ziele oder Perspektiven im aktuellen Ge­schäft klären möchte. Manchmal auch um zu entscheiden, was er oder sie noch mehr oder aber auch weniger tun will.

Was an der Beratung hilft denn wirk­lich weiter, wenn nur einer aus einem dreiköpfigen Stammesvorstand sie in An­spruch nimmt?

U. Drei Köpfe im Vorstand sind wie drei Rädchen, wenn eines auf einmal anders läuft, wirkt sich das auf alle aus. Also wenn sich einer ändert kommt das gesamte „System“ in Bewegung.

C. Wenn sich ein Teil verändert, dann hat dies eben immer Auswirkungen auf alle, auch auf die nicht anwesenden.

Wie muss ich mir denn so eine Bera­tung vorstellen, liege ich da auf einer Couch bei dir?

U. Klar auf jedem Fall. Ich reise immer mit meiner Mobilcouch an. Natürlich nicht, das, was geschieht, hat was mit Gesprä­chen zu tun, die vielleicht methodisch un­terstützt, Hilfestellungen bieten. Z.B. wenn Ratsuchende ihre Ziele finden wollen, Wege und Möglichkeiten suchen, sie zu errei­chen, oder um in einer Krise oder Konflikt im Stamm für sich gute und reflektierte Entscheidungen treffen zu können.

C. Couch wäre gut aber nein, die Bera­tung findet meist im Sitzen statt. Allerdings kann es zum Einsatz hoffentlich geeigneter Methoden und „Interventionstechniken“ kommen, z.B. ein Brett mit Figuren, ein Fahrrad, Wollfäden oder was sonst noch hilfreich sein kann. Manchmal hilft natür­lich auch Bewegung oder verändern von Körperhaltungen, um Standorte und Stand­punkte zu verändern.

Muss ich dafür z.B. eine dicke Pfadfin­derkrise oder richtige Konflikte haben, wenn ich Beratung haben möchte? Wann ist eine Einzelberatung zu empfehlen?

U. Natürlich nicht, Krise und Konflikt sind keine Voraussetzungen aber auch kein Hindernis. Also bei einer Krise oder Kon­flikt in jedem Fall mit uns Kontakt aufneh­men. Lohnend ist es aber auch, bevor das Kind in den Brunnen fällt und vielleicht so­gar noch früher bevor es am Brunnenrand steht, also vorsorglich die Situation zu beleuchten und neue Perspektiven zu ent­wickeln. Empfehlen würde ich jedem eine Einzelberatung, wenn er oder sie die per­sönliche Anteile am Geschehen z.B. in der Leiterrunde klären will, wenn jemand für sich klarer sehen und entscheiden möchte, seine Interessen und Bedürfnisse respektie­ren will …

C. und immer dann, wenn ich glaube meinen eigenen Standpunkt, meine Rolle, mein Selbst- oder Fremdbild, meine Ziele etc. genauer anschauen zu müssen, wollen oder sollen. Das erhöht immer auch die persönliche Zufriedenheit.

Was muss ich konkret tun, um so eine Beraterin für mich alleine zu haben?

U. Ganz einfach, flugs mit einem guten Fläschchen lässt sich vieles machen. Und im Ernst, ruf im Diözesanbüro bei Schorsch an, der vermittelt diskret. Da kriegt kein anderer was mit, außer von dir selbst, wenn du es willst.

Aus deiner Erfahrung und mal weg von der Einzelberatung, warum sollte sich jede Leiterrunde mal ’ne Beratung gön­nen?

C. Wie schon gesagt, Beratung kann hel­fen, die Zusammenhänge in Systemen wie eine Leiterrunde zu verdeutlichen. Dies ist oft sehr hilfreich, wenn man etwas verän­dern muss oder möchte. Oder wenn man‘s einfach nur verstehen will.

U. Eine Leiterrunde könnte sich was Gu­tes tun mit so einer Beraterin oder auch einem Berater an der Seite. Sie könnte ziel­orientierter werden, könnte einmal im Jahr hintergründig reflektieren und mit den Er­fahrungen das nächste besser gestalten. Sie könnte die Ziele, Wünsche, Vorhaben und Programme mit den Möglichkeiten, In­teressen und Bedürfnissen aller Beteiligten in Verbindung bringen … Letzteres hilft oft, Enttäuschungen und Frust zu verhindern.

C. Wir können gut tun.

Noch der ultimative Tipp von Ulrike: Lernt uns kennen. Ruft uns an.

Profil: Ulrike Lang war Gruppenleite­rin, Stammes- und Bezirksvorsitzende im Saarland und hat bei einigen diöze­sanen Projekten mitgewirkt. DPSG Be­raterin der ersten Stunde.

Claudia Dangl war Gruppenleiterin, Be­zirksreferentin Pfadfinderstufe an der Sieg, Diözesanarbeitskreis Pfadfinder­stufe. Sie ist Beraterin der ersten Stunde.